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28.03.2013 10:59

Gefahren in älteren Gebäuden



Foto: Wikimedia, by Usien (Own work)

Marode Stromleitungen und Steckdosen können Brände verursachen

Nach der Brandkatastrophe von Backnang am 10. März 2013, bei der sieben Kinder starben, berichteten viele Fernsehsender über den Zustand maroder Stromleitungen und Steckdosen in Altbauten. Denn wenn es im Haus brennt, ist nicht immer Fahrlässigkeit die Ursache. Erst am 24. März 2013 kam es beispielsweise in Kleve zu einem Wohnungsbrand wegen eines Defektes an einer Mehrfachsteckdose.

Viele Feuer entstehen nämlich durch defekte oder veraltete Elektrik. Gerade in älteren Wohngebäuden ist oft noch die ursprüngliche Elektroinstallation in Betrieb. Und dies entspricht häufig nur den Anforderungen der Entstehungszeit. Die jahrzehnte alten Leitungen sind kaum für den gleichzeitigen Betrieb mehrerer moderner Haushaltsgeräte ausgelegt. Computer, Fernseher, Wasserkocher, Kaffeemaschine, Kühlschrank oder Gefriertruhe sowie oftmals auch Waschmaschinen, Trockner und Geschirrspüler laufen heutzutage gleichzeitig. Aber in Altbauten fehlt es häufig an ausreichend Steckdosen sowie leistungsfähigen Leitungen. Die Bewohner behelfen sich dann vielfach mit Mehrfachsteckdosen -  und diese überlasten leicht.

Die Folge ist bestenfalls ein Herausspringen der Sicherung. Noch schlimmer kann eine dauerhafte, leichte Überlastung sein. Springt die Sicherung nämlich nicht heraus, erhitzt sich das Isolationsmaterial der Leitungen immer wieder und wird schließlich brüchig. Im ungünstigsten Fall verursacht das einen Schwelbrand und in der Folge einen Wohnungsbrand.

Steckdosenleisten sollten außerdem kein Dauerzustand sein und bei Bedarf durch fest installierte neue Steckdosen nachgerüstet werden. Doch Wohnungsbesitzer können die Gefahren durch einen nicht ordnungsgemäßen Zustand oftmals nicht selbst erkennen. Daher sollte ein Fachmann die Anlagen von Zeit zu Zeit prüfen. Bei Mängeln darf der Bewohner auf keinen Fall selbst Hand anlegen.

Der Elektro-Profi rät zum „elektrischen TÜV“

Wie oft die Ursache für einen Wohnungsbrand bei einem „technischen Defekt“ eigentlich eine veraltete Stromleitung oder Steckdose ist, wird in den seltensten Fällen bekannt. Daher rät der Elektro-Profi zu einer Überprüfung der Elektroinstallation in älteren Gebäuden, beispielsweise durch den E-CHECK.
Ein erfahrener Elektromeister verrät: „Alles, was vor den 60er Jahren an Kabeln verlegt wurde, ist meistens veraltet. Diese Leitungen können Sie schon an der Isolation erkennen, die entweder gar nicht vorhanden ist oder aus Papier und Gewebe besteht. Moderne Leitungen haben eine PVC-Isolierung und den Schutzleiter in gelbgrüner Farbe.“

Modernisieren für die Zukunft

Wer alte Leitungen erneuern lassen will, muss vorausschauend denken: Bauherren und Modernisierer sollten die elektrische Anlage und Ausstattung mit Steckdosen so großzügig planen, dass sie nicht nur für die heute verwendeten Geräte ausreicht, sondern auch für Anforderungen in der Zukunft.
Wer zur Miete wohnt, sollte die Übernahme der Kosten für den Handwerker vorher klären. Mieter haben leider kein Anrecht auf eine Modernisierung ihrer Elektroinstallation auf den neuesten Stand, gibt der Deutsche Mieterbund zu bedenken. Aber auch in einer nicht modernisierten Altbauwohnung müssten die elektrischen Anlagen zumindest technisch sicher sein.

Mindeststandard für Mieter

In einer nicht modernisierten Altbauwohnung muss die Installation einem Mindeststandard genügen, der ein zeitgemäßes Wohnen ermöglicht und alle damit üblicherweise verbundenen Tätigkeiten mit technischen Geräten erlaubt. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden (Az: VIII ZR 281/03). Konkret heißt das: Es müssen zumindest ein größeres Haushaltsgerät wie die Waschmaschine und weitere übliche Elektrogeräte wie Staubsauger zugleich laufen können, ohne dass der Mieter Angst vor einer Leitungsüberlastung und möglichen schlimmeren Folgen haben muss.

Der Aspekt "steuerlicher Vorteil"

Privatkunden können 20 Prozent der Handwerksrechnung von der Einkommenssteuer abziehen, bis zu 1.200 Euro pro Jahr und Haushalt lässt das Gesetz zu. Die Arbeiten müssen in oder an einem Privathaushalt in Deutschland oder der EU ausgeführt worden sein, auch eine Ferienwohnung ist begünstigt.

Bei Barzahlung gibt es allerdings keinen Steuerbonus auf Handwerksleistungen. Eine Anzahlung in bar akzeptiert das Finanzamt selbst dann nicht, wenn der Handwerksbetrieb einen Teilbetrag in Rechnung stellt und verbucht. Zulässig sind nur Überweisung (auch Onlinebanking), Lastschrift und Einzugsermächtigung.