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26.09.2016 15:01

Millionen Elektroinstallationen sind in einem katastrophalen Zustand



Foto: Carol Gauthier/shutterstock.com

Eine vom Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e. V. (ZVEI) in Auftrag gegebene Studie vom Oktober 2015 kommt zu niederschmetternden Ergebnissen. Während in deutschen Haushalten immer mehr moderne Elektrogeräte Einzug halten, befindet sich die Elektroinstallation vielfach auf dem Stand der Nachkriegszeit. Um Brandgefahren vorzubeugen und sich fit für die Energiewende zu machen, müssten in Deutschland Millionen Gebäude elektrotechnisch saniert werden. Größter Modernisierungsbedarf besteht bei Gebäuden aus den Wirtschaftswunderjahren.

Die Forscher hatten den Zustand elektrischer Anlagen in Eigentums- und Mietimmobilien analysiert. Ein Großteil der untersuchten Neu- wie auch Altbauten erfüllt demnach nicht die heute gültigen Ausstattungsstandards. So ist fast die Hälfte der in den Sechziger Jahren errichteten Gebäude nie elektrotechnisch auf Vordermann gebracht worden. Und kaum jemandem ist bewusst, wie hoffnungslos überaltert die Elektrik in vielen deutschen Immobilien ist.

Tickende Zeitbomben in Wänden und Kellern

Wie schnell eine Belastung zur gefährlichen Überlastung werden kann, zeigt die Analyse von Brandursachen. Nach Zahlen der Versicherungswirtschaft sind mittlerweile ein Drittel aller Brände auf Fehler in der Elektrik zurückzuführen. Unter den verhütbaren Brandursachen rangiert die Elektrizität mit 52 Prozent sogar unangefochten auf Rang eins. Mit einer Sanierung der Elektroinstallation ließe sich das Brandrisiko spürbar senken.

Regelmäßige Überprüfungen sind unumgänglich

Die Gebäudeelektrik muss in Zukunft immer mehr leisten können. Dafür sind jedoch viele Leitungen und Anlagen von Millionen Häusern überhaupt nicht ausgelegt. Der Zustand von Elektroanlagen sollte daher regelmäßig überprüft und bei Bedarf verbessert werden. In Frankreich beispielsweise ist eine solche Überprüfung bei jedem Mieter- oder Eigentümerwechsel obligatorisch.

e-masters Initiative „intelligent modernisieren“

Genau hier setzt auch die e-masters Initiative „intelligent modernisieren“ an, eine Aktion von über 2.400 Elektrofachbetrieben im deutschsprachigen Raum. Gemeinsam mit zurzeit 30 namhaften Herstellern aus der Elektrobranche soll die Bevölkerung dazu gebracht werden, sich mit der Modernisierung der Elektroinstallation in ihren Gebäuden zu beschäftigen. Ziel der Kampagne ist es, dass bei Sanierungen nicht nur an die Wärmedämmung und Sanitärbereiche gedacht wird, sondern auch an mehr Sicherheit, Komfort und Energieeffizienz durch zeitgemäße elektrische Anlagen und Installationen.

www.intelligent-modernisieren.de


Die wichtigsten Ergebnisse der ZVEI-Studie:

• 29 Millionen Gebäudeeinheiten in Deutschland sind älter als 35 Jahre, 11 Millionen Immobilien sind sogar mehr als sechs Jahrzehnte alt.
• In über 70 Prozent der Gebäude befinden sich Elektroleitungen, die älter als 35 Jahre sind. In mehr als der Hälfte der untersuchten Haushalte wurden die Elektroleitungen noch nie ausgetauscht.
• Durchschnittlich am schlechtesten sind Gebäude der Baujahre 1950 bis 1979 ausgestattet. Hier herrscht in puncto Ausstattung mit Steckdosen und Lichtschaltern, Zählerplatz-Systemen und Sicherungsinstallationen der größte Nachholbedarf.
• Wichtige Schutzschaltgeräte, Verteiler, Elektroleitungen und Klemmen bleiben bei Renovierungen meist unangetastet. Dabei verwandeln sich speziell Leitungsverbindungen im Laufe der Zeit in potenzielle Gefahrenquellen.
• Die damalige Elektrik wurde nicht für die Vielzahl leistungsstarker Elektrogeräte installiert, die heute im Einsatz sind.