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03.05.2017 09:00

Wachsende Klimaschutzlücke erfordert stärkeren Ausbau der Erneuerbaren Energien und weniger Energieverbrauch


Erneuerbare Energien im Stromsektor können ein Beitrag sein, um fossile Brennstoffe in anderen Sektoren zu ersetzen


Foto: WDG Photo/shutterstock.com

Zwischen dem Ziel, den Treibhausgasausstoß bis 2020 um 40 Prozent im Vergleich zum Basisjahr 1990 zu verringern, und dem bisher Erreichten (-27,6 %) klafft eine deutliche Klimaschutzlücke. Diese Kluft wird weiter wachsen, wenn sich der aktuelle Trend fortsetzt. „Zusätzliche Anstrengungen beim Ausbau der Erneuerbaren Energien, zur Verringerung der Energieerzeugung aus fossilen Quellen, zur Steigerung der Energieeffizienz und zum Energiesparen sind dringend notwendig, um dem Trend entgegenzuwirken“, sagt Philipp Vohrer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE).

Entgegen der offiziellen Klimaschutzziele sanken in Deutschland die Treibhausgasemissionen 2016 zum wiederholten Mal nicht. Wie das Umweltbundesamt jüngst mitteilte, wurden in Deutschland 2016 insgesamt fast 906 Millionen Tonnen Treibhausgase freigesetzt, etwa vier Millionen Tonnen mehr als 2015.

• Am stärksten gestiegen sind die Emissionen im Verkehrssektor: Hier wurden 5,4 Millionen Tonnen Treibhausgase mehr ausgestoßen als im Jahr 2015, ein Plus von 3,4 Prozent. Hauptgründe sind die Zunahme des Straßengüterverkehrs und damit verbunden der vermehrte Absatz von Diesel. Das anhaltende Verkehrswachstum und zu wenig Erneuerbare Energien konterkarieren hier jegliche Effizienzfortschritte.
• Auch die Treibhausgasemissionen privater Haushalte haben sich 2016 im Vergleich zum Vorjahr erneut erhöht. Die Wärmeversorgung von Gebäuden zeigt sich immer noch sehr witterungsabhängig, was ein Zeichen für mangelnde Gebäudeenergieeffizienz ist.
• Bei der Industrie stagniert der Treibhausgasausstoß bereits seit mehreren Jahren. Effizienzgewinne werden hier regelmäßig durch weiteres Wachstum kompensiert.
• Lediglich in der Energiewirtschaft sind die Treibhausgasemissionen im Jahr 2016 erneut leicht gesunken. Dabei steht einem Rückgang der Emissionen aus Braunkohle- und Steinkohlekraftwerken ein Anstieg der Treibhausgase aus der Nutzung von Erdgas gegenüber. Erneuerbare Energien konnten hingegen im Jahr 2016 kaum zur weiteren Emissionsminderung beitragen.

Setzt sich der Trend der vergangenen Jahre fort, wird Deutschland sein Klimaschutzziel für 2020 deutlich verfehlen: Um die Klimaschutzlücke zu schließen, müsste der Treibhausgasausstoß von 2017 bis 2020 jährlich um fast 40 Millionen Tonnen Kohlendioxidäquivalente sinken. „Damit Deutschland wieder auf den Klimaschutz-Zielpfad zurück gelangt, sind ein stärkerer Ausbau Erneuerbarer Energien in den Sektoren Strom, Wärme und Verkehr, der Rückbau emissionsintensiver Stromerzeugungs- und Heizungsanlagen sowie Maßnahmen zur Energieeinsparung und zur Effizienzsteigerung notwendig“, betont Vohrer.

Ergebnisse energiewissenschaftlicher Forschung gebündelt auf forschungsradar.de

Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich die Agentur für Erneuerbare Energien in den kommenden zwei Jahren in einem Projekt zur Kommunikation von Ergebnissen der Energieforschung mit der Frage, wie erneuerbar erzeugter Strom in den Bereichen Wärme und Verkehr effizient und unter Beachtung der Flexibilitätsanforderungen des Stromsektors genutzt werden kann. Dazu erfasst die AEE-Redaktion ab sofort wieder aktuelle Studien in der Datenbank des Forschungsradars Energiewende.

Der Fokus liegt dabei auf der effizienten Verknüpfung des Strom- und Wärmesektors, des Strom- und Verkehrssektors sowie des Strom- und Gassektors, aber auch der Digitalisierung des Energieversorgungssystems. Zu diesen Schlüsselthemen der Energiewende sind insgesamt vier Metaanalysen geplant, welche die Aussagen verschiedener wissenschaftlicher Studien vergleichend gegenüberstellen. Im Rahmen des Projektes wird die Agentur für Erneuerbare Energien zudem jeden Monat eine Infografik zu einem wichtigen Aspekt der Energiewende veröffentlichen.

Gefördert wird das Projekt „Metaanalysen zu Schlüsselfragen der Energiewende“ durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Quelle: unendlich-viel-energie.de