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20.07.2015 15:49

Was Konsumenten von Technikprodukten erwarten


Einfache Bedienung, Energieeffizienz gute Preise und Sicherheit


Foto: Minerva Studio/shutterstock.com

Technikprodukte stehen bei Konsumenten weiterhin hoch im Kurs, doch die umworbenen Käufer machen nicht unbedingt jeden Trend mit. Gekauft wird erst, wenn der persönliche Mehrwert einer Neuerung erkannt wird und der Nutzen größer erscheint als die Bedenken. Besonders eng beieinander liegen Skepsis und Begeisterung bei digitalen Vernetzungsprodukten. Das Dauerthema Datenmissbrauch beeinflusst auch diesen Markt.

Das sind Teilergebnisse einer repräsentativen europaweiten Studie, die im Auftrag der gfu Consumer & Home Electronics GmbH im Mai dieses Jahres von Value_A Marketing Intelligence durchgeführt wurde. 1.000 Haushalte in Deutschland und weitere 5.000 aus sechs anderen europäischen Ländern (Frankreich, Großbritannien, Italien, Österreich, Spanien, Schweiz) wurden über Einstellung, Nutzungsverhalten und Kaufabsichten in Zusammenhang mit elektrischen und elektronischen Produkten befragt.

Furcht vor Datenmissbrauch reduziert Online-Begeisterung

Neben Smartphones und PCs sind auch immer mehr TV-Geräte für die Verbreitung von Online-Bildern in den Haushalten zuständig. Inzwischen ist in 42 Prozent der deutschen Haushalte das wichtigste TV-Gerät ein Smart TV, also ein Fernsehgerät, mit dem sich neben dem aktuell ausgestrahlten Fernsehprogramm beispielsweise auf Angebote wie die Mediatheken der Sender oder Online-Videotheken zugreifen lässt. Somit sind in bundesdeutschen Haushalten derzeit rund 18 Millionen Smart-TVs als Hauptgerät im Einsatz. Allerdings können nur 70 Prozent dieser Geräte ihre Vorteile tatsächlich ausspielen, weil sie mit dem Internet verbunden sind – 30 Prozent bleiben offline. Nach den Gründen für die Online-Verweigerung beim TV befragt, sagt die Mehrheit (51%) der deutschen Nicht-Anschließer, dass sie einfach kein Interesse an Online-Diensten auf dem TV-Gerät haben. Einen zu komplizierten Anschluss geben 19 Prozent als Grund an, Furcht vor einem Datenzugriff durch Fremde immerhin noch 18 Prozent.

Bei der Furcht vor Datenmissbrauch ist sich Europa nicht wirklich einig. Den 18 Prozent Datenmissbrauch-Befürchtern bei den Nicht-Anschließern in Deutschland stehen nur fünf Prozent in Italien gegenüber. Beruhigend für die TV-Hersteller dürfte sein, dass nicht sie im Hauptverdacht stehen, die Daten ihrer Kunden zu missbrauchen. Nur einer von zehn derjenigen Deutschen, die aus Angst vor Datenmissbrauch ihren Smart TV nicht an das Internet anschließen, fürchten eine Nutzung der Daten durch die TV-Hersteller. Ein knappes Drittel (32 %) hat die Programmanbieter im Verdacht, die Mehrheit von 58 Prozent fürchtet, dass Kriminelle oder staatliche Organisationen auf Daten aus der Online-TV-Nutzung zugreifen.
„Die stetige Diskussion um Datensicherheit und Datenmissbrauch geht auch am Thema TV-Gerät nicht spurlos vorbei“, erläutert Hans-Joachim Kamp, Aufsichtsratsvorsitzender der gfu. „Von den 18 Millionen Smart TVs in Deutschland ist rund eine Million nicht mit dem Internet verbunden, weil es Befürchtungen, gibt, dass Daten missbraucht werden. Relativ zur Gesamtzahl der Geräte ist das zwar ein niedriger Wert von gerade einmal fünf Prozent, doch die Sorgen dieser Konsumenten müssen unbedingt ernst genommen werden, wenn wir auf dem Weg zur Digitalisierung unserer Gesellschaft alle mitnehmen wollen.“

98 Prozent Weiterempfehlungsquote für Smart TVs

Trotz mancher Bedenken erfreuen sich verschiedene Dienste der Smart TVs wachsender Beliebtheit bei den tatsächlichen Nutzern. Besonders starkes Wachstum zeigen dabei die TV-typischen Videoanwendungen. Die Mediatheken der Sender werden von 58 Prozent der Nutzer aufgerufen (Vorjahr 37%). Videoclips von beispielsweise YouTube von 53 Prozent (Vorjahr 33%). Auch kostenpflichtige Online-Videotheken, also Video On Demand-Dienste, stiegen in der Beliebtheit von 25 Prozent im Vorjahr auf 41 Prozent in diesem Jahr. OnlineFotoalben nutzen 31 Prozent über das TV-Gerät, soziale Netzwerke 23 Prozent. 19 Prozent nutzen das TV-Gerät für Videotelefonie und 18 Prozent für Online-Spiele. Insgesamt sind Smart TVs bei den tatsächlichen Nutzern extrem beliebt. In Deutschland würden 98 Prozent der Smart TV-Benutzer Freunden und Verwandten bei einer Neuanschaffung zum Kauf eines Smart TVs raten. Dazu Hans-Joachim Kamp: „Diese extrem gute Weiterempfehlungsrate zeigt, dass die tatsächlichen Nutzer eines Smart TVs schnell den Mehrwert des Produktes für sich erkennen. Die vereinzelt auftretende Skepsis beruht also weniger auf Erfahrung, sondern eher auf Unkenntnis. Industrie und Handel müssen weiter daran arbeiten, den Konsumenten den Mehrwert von Produkten erfahren zu lassen.“

Größerer Bildschirm Hauptgrund für TV-Neuanschaffung

15 Prozent der Deutschen planten im Befragungszeitraum Mai, sich bis zum Jahresende ein neues TV-Gerät anzuschaffen. Der Wunsch nach einem größeren Bildschirm war für das Kaufinteresse besonders prägend. 41 Prozent der Deutschen geben an, dass ein größerer Bildschirm Grund für eine TV-Neuanschaffung ist. So wollen inzwischen 41 Prozent der Deutschen ein Gerät mit einer Bilddiagonale größer als 48 Zoll, also 122 Zentimetern, anschaffen. Neun Prozent der Kaufwilligen wollen sogar in ein Gerät mit mehr als 65 Zoll, also einer Bilddiagonale von mehr als 165 Zentimetern investieren.

Energiebewusstsein beim Neukauf in Deutschland besonders ausgeprägt

Vor den TVs auf der Anschaffungsliste stehen elektrische Haushaltsgeräte wie Staubsauger oder Bügeleisen (17%), elektrische Küchengeräte (21%) und der Dauerbrenner Smartphones mit 22 Prozent. Dass große Haushaltsgeräte zu den langlebigen Produkten gehören und hier Ersatzkäufe das Geschäft bestimmen, zeigen die Neuanschaffungspläne in diesen Kategorien. Sechs Prozent der im Mai Befragten planen einen Neukauf einer Waschmaschine oder eines Geschirrspülers noch in diesem Jahr, bei Kühlgeräten waren es sieben Prozent. Die Entscheidungskriterien für ein bestimmtes Modell sind je nach Produktkategorie unterschiedlich gelagert. Grundsätzlich zählt der Preis zu den wichtigsten Entscheidungskriterien, doch bei Produkten aus dem IT-Segment, wie Tablet- und Notebook-PCs sowie Spielekonsolen, sind es die technischen Eigenschaften die besonders zählen. Bei Waschmaschinen und elektrischen Haushaltsgeräten ist die einfache Bedienung wichtigstes Entscheidungskriterium und bei Kühl- und Gefriergeräten sowie Geschirrspülern steht die Energieeffizienz an erster Stelle. Das Entscheidungskriterium Energieeffizienz hat in Europa ein unterschiedliches Gewicht. So geben rund zwei Drittel (65%) der Deutschen an, beim Neukauf auf Energieeffizienz zu achten. Bei den Franzosen ist das Energiebewusstsein bei der Hälfte der Käufer ausgeprägt, bei den Briten gerade mal bei 44 Prozent. So geben auch 18 Prozent der Deutschen an, dass sie in der Vergangenheit bereits ein noch funktionierendes Altgerät abgeschafft haben, um es durch ein effizienteres zu ersetzen. Einen solchen Ersatz haben bei den Briten nur sieben Prozent durchgeführt.

Neue Kategorien versprechen Wachstum

Auch Anschaffungspläne außerhalb der breit etablierten Produktkategorien wurden in der gfu-Studie abgefragt. Spitzenreiter hierbei waren Lösungen für das Musik-Streaming im Haus. Rund ein Viertel der Deutschen (24 %) denkt über den Kauf eines solchen Produktes nach. Dicht darauf folgen Saugroboter und DAB/Digitalradio-Produkte mit jeweils 22 Prozent. Obwohl bereits 20 Prozent der deutschen Haushalte über ein E-Book verfügen, denken weitere 21 Prozent über den Kauf eines elektronischen Buches nach, 17 Prozent über die Anschaffung eines 3D-Druckers oder eines intelligenten Gesundheitsgerätes. Smart Watches liegen bei 16 Prozent, intelligente Zahnbürsten oder fernsteuerbare Drohnen bei 11 Prozent Kaufinteresse.

„In neuen Kategorien steckt – im wahrsten Wortsinn – noch viel Musik“, so gfu Aufsichtsrat Hans-Joachim Kamp. „Das hohe Interesse für Musikstreaming-Lösungen und Digitalradios zeigt, wo die Wachstumskategorien im Home-Entertainment liegen. Auch im Haushaltsgeräte-Bereich wird es ein Wachstum bei Produkten wie Saugroboter und zunehmend auch im Gesundheits-, Fitness- und Wellnesssegment geben.“

Smart Home: Sicherheit, Komfort und Energieeffizienz – aber auch befürchtete Risiken

In mehr als zwei Dritteln (67 %) der deutschen Haushalte gibt es derzeit einen Internet-Router, drei Viertel (76 %) der Befragten verfügen über ein Smartphone und 44 Prozent über einen Tablet-PC – beste Voraussetzungen also, um ein vernetztes Zuhause aufzubauen. Hauptgrund für eine Vernetzung sind dabei vor allem Sicherheitsaspekte. Spitzenreiter sind Sensoren wie Bewegungs- Rauchmelder (64 %), die beispielsweise einen Alarm auf das Smartphone schicken. Gefolgt von der Jalousie- oder Garagentorsteuerung (52 %), fernprogrammierten TV-Aufnahmen (51 %), Überwachungskameras, Steuerung der Heizung und Klimaanlage oder der Beleuchtung (je 50 %). Weniger als die Hälfte der Befragten finden eine Backofen-Fernsteuerung (44 %) oder die Kommunikation per App mit der Waschmaschine (38 %) oder der Kaffeemaschine (35 %) interessant. Das Standardbeispiel für vernetzte Hausgeräte, nämlich die Kamera im Kühlschrank wünscht sich rund ein Drittel (34 %) der Befragten.

Sehr unterschiedlich ist die Akzeptanz der verschiedenen Lösungen, wenn man sie auf Altersgruppen herunterbricht. 84 Prozent der über 60-jährigen lehnen beispielsweise die Kühlschrankkamera ab, bei den 16 – 39-jährigen liegt die Ablehner-Quote nur bei 46 Prozent. Überhaupt wird das Thema Vernetzung zum Teil recht kontrovers betrachtet. 43 Prozent der in Deutschland Befragten erwarten einen Gewinn an Sicherheit im Haushalt, 38 Prozent sehen Möglichkeiten zur Energieeinsparung und 35 Prozent sehen in der Vernetzung eine Alltagserleichterung. Doch sie sehen auch Risiken: Nämlich, dass Fremde Daten missbrauchen (65%), die Steuerung über die Haustechnik übernehmen (61%) oder dass eine zu komplexe Technik die Anwender überfordern könnte (38%).
Dazu Hans-Joachim Kamp: „Wie fast jede Technologie ist auch die digitale Vernetzung nicht unumstritten. Die Anbieter müssen weiter hart daran arbeiten, die Lösungen so einfach wie möglich aber auch so sicher wie nur irgend möglich zu gestalten, damit die gewonnenen Vorteile beim Konsumenten mehr ins Gewicht fallen, als die Bedenken.“

Quelle: gfu